Offensichtliches Merkmal von Mauritius ist der multikulturelle Charme der Insel. Ob europäisch, afrikanisch, indisch oder arabisch – nahezu jedes Volk hat hier seinen Einfluss hinterlassen. Die Geschichte der Insel erklärt den Ursprung dieses kulturellen Mix.
Mauritius wurde ursprünglich um das Jahr 1000 von arabischen Seefahrern und Händlern entdeckt, die der Insel den Namen Dinarobin gaben. Da diese das Land jedoch nicht nutzten, entdeckte der Seefahrer Pedro Mascarenhas die Insel um 1500 erneut und beanspruchte sie für Portugal. Von dieser Zeit zeugt heute noch der Name der Inselgruppe, zu der neben Mauritius auch Réunion und Rodrigues gehören: die Maskarenen.
Die Insel sollte jedoch nicht lange in portugiesischer Hand bleiben: Schon 1598 nahm sie Admiral von Warwick für Holland in Besitz und benannte sie nach dem Prinzen Moritz von Oranien: Mauritius. Jedoch schlug der Versuch der Niederländer, die Insel im Indischen Ozean zu kolonialisieren, fehl. Mauritius wurde zur Pirateninsel, zum Geheimversteck der Schmuggler und Gesetzlosen.
Die Franzosen, die zuvor bereits die anderen Inseln der Maskarenen kolonialisiert hatten, eroberten 1715 auch Mauritius. Sie gaben dem Land den Namen „Ile de France“ und gründeten zehn Jahre später Port Louis, die Hauptstadt der Insel. Schnell wurde die Hafenstadt zu einem wichtigen Zentrum für Handel und Marineoperationen gegen die Briten.
Interessant ist, dass die Insel zu dieser Zeit keineswegs der französischen Krone gehörte, wie es der Name eigentlich andeutete: Eigentümerin war die französisch-ostindische Handelsgesellschaft. Erst mit ihrem Bankrott im Jahr 1767 wurde die Ile de France tatsächlich französische Kronkolonie. Während der Kolonialzeit legten die französischen Einwanderer Zuckerrohrplantagen an und ließen sie von afrikanischen Sklaven bestellen. Aus dem gebrochenen Französisch der Sklaven entwickelte sich Créol - heute die von den meisten Bewohnern Mauritius gesprochene Sprache.
Auch die Franzosen sollten nicht lange Herren der Insel bleiben: Nach einer erfolgreichen Seeschlacht gegen Frankreich besetzten die Briten die Insel im Jahr 1810 und gaben ihr ihren alten Namen Mauritius zurück. Obwohl sie ab 1814 Kronkolonie war und zum Commonwealth gehörte, nahmen die Briten nur wenig Einfluss auf das Leben auf der Insel. Daher blieben viele französische Eindrücke zurück: Der Code Civil Napoleons und die französische Sprache sind dabei nur die offensichtlichsten Hinterlassenschaften.
Nachdem die Briten 1835 die Sklaverei verboten hatten, setzte eine Masseneinwanderung aus Indien ein. Für diese so genannten „Kontraktarbeiter“ wurde 1871 allerdings ein Einwanderungsverbot verhängt, da der Bevölkerungsanteil der auf den Plantagen arbeitenden Inder inzwischen 60 Prozent erreicht hatte.
Ab 1958 bereitete Großbritannien Mauritius auf seine Selbständigkeit vor: Das allgemeine Wahlrecht und die politische Autonomie wurden eingeführt. Doch erst zehn Jahre später, am 12. März 1968, entließen die Briten die Insel in die Unabhängigkeit. Mauritius blieb jedoch nach wie vor Mitglied des Commonwealth. Erst am 12. März 1992 wurde die Insel nach Einführung einer neuen Verfassung zu einer Republik.
Erster Premierminister der Insel, heute liebevoll der „Vater der Nation“ genannt, wurde Sir Seewoosagur Ramgoolam, der Führer der Arbeiterpartei. Seit Juli 2005 regiert sein Sohn Navinchandra Ramgoolam Mauritius.