Sie suchen den typischen Mauritianer? Den werden Sie nicht finden. Typische Mauritianer gibt es nicht. Der ganz spezielle Charme von Mauritius kommt hauptsächlich von seinen multikulturellen Bewohnern, ihren vielen verschiedenen Religionen, Bräuchen und Lebensweisen.
Die ersten Siedler auf dem paradiesischen Eiland waren die Niederländer. Alleine konnten sie hier jedoch nicht Fuß fassen. Um die Landschaft zu roden und überhaupt bewohnbar zu machen, brauchten sie Arbeiter. Die auf den Sklavenmärkten von Mosambik, Sansibar und den Komoren gekauften Sklaven wurden nach Mauritius gebracht und mussten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen ihr Leben führen.
Dieses unterdrückte Dasein fand erst ein Ende, als die Briten die Verwaltung der Insel übernahmen und die Sklaverei verboten. Die Plantagenbesitzer warben indische und chinesische Tagearbeiter an, die die Arbeit der ehemaligen Sklaven weiterführen sollten. Gerade die indischen Kontraktarbeiter folgten dem Ruf der Gutsherren massiv: Nach nur 40 Jahren machten die Inder 60 Prozent der Bevölkerung aus.
Zu dieser ohnehin schon vielfältigen Mixtur gesellten sich mit den Jahren europäische Siedler, reich wie arm, die eine neue Heimat suchten und sie auf Mauritius fanden. Das ursprünglich unbewohnte Inselparadies wurde so zu einem pulsierenden Ort mit einer faszinierenden Vielfalt an Hautfarben, Religionen und Sprachen.
Jede einzelne Subkultur behielt ihre Muttersprache bei – Hindi, Urdu, Tamil, Mandarin, Kantonesisch, wohin man hört, klingt es anders. Trotzdem kommt es nicht zu Verständigungsschwierigkeiten: Der Sprachenreichtum wird durch die englische Amtssprache und Créole, ein Idiom der französischen Sprache, überbrückt. Reines Französisch war der Oberschicht vorbehalten und gilt noch immer als Sprache der Gebildeten.
So vielfältig wie die Ausdrucksformen sind auch die Religionen auf Mauritius. Die mit Abstand meisten Bewohner der Insel bekennen sich zum Hinduismus. Ein kleinerer Teil gehört dem Islam an, aber auch der römisch-katholische Glaube sowie der Buddhismus sind vertreten. Obwohl Mischehen auf Mauritius die Ausnahme bilden, ist der Vielvölkerstaat ein Paradebeispiel für ein friedliches Neben- und Miteinander. Diese Toleranz zeigt sich vor allem beim Feiern: Der 01. Januar ist genauso ein Grund zu feiern wie das Frühlingsfest zu Beginn des chinesischen Neujahrs. Das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan und das fröhliche Hindufest Divali im Oktober sind ebenfalls immer wieder gern gesehene Feierlichkeiten.